Laurenzi Kircherl

Laurenzi Kircherl

Abschrift aus der Monographie “Einige Kirchlein, Kapellen und eine Ruine aus der Umgebung” von Ferdinand Kortan 1942

Den nördlichen Abhang des 464m hohen Buchberges bei Neulengbach ziert das idyllisch gelegene Kirchlein St. Laurenzi. Mancher Maler hat es bereits mit seinem Pinsel eingefangen. In der Nähe des Kirchleins liegen 3 Häuser, welche die Rotte Haag bilden und zur Ortsgemeinde Markersdorf gehören. St. Laurenzi ist eine halbe Stunde (Fußweg) von Neulengbach und gehört als Filialkirche zur dortigen Pfarre. Markersdorf leitet seinen Namen von einem “Mark-Wart”, einem Grenzwächter ab. Das Kirchlein ist ein altgotischer Rundbau, der durch später erfolgte Zubauten bedeutend verändert worden ist. Aus Quadern hergestellt deutet er seinen Ursprung nach auf das 12. Jahrhundert seiner Entstehung. Es besitzt ein Schindeldach und ein nicht gar hohes Türmchen. Ringsum ist es vom Friedhof umschlossen, den eine altersgraue (2006 renovierte) Mauer umgibt.

Erwähnenswert ist ein römischer Stein an der Außenseite des Rundbaues, auf welchem der Genius des Todes dargestellt ist – eine rohe Arbeit aus der späteren römischen Zeit. Er wurde wohl in der Nähe gefunden und bei der Erbauung des Kirchleins an der jetzigen Stelle eingemauert. Das Innere der Kirche ist einfach. Das Kirchenschiff ist ein romanischer Rundbau, der sich nach Osten in einen spätgotischen Chor öffnet. In der nördlichen Ecke von Schiff und Chor erhebt sich der mit einem Zeltdache versehene Turm. Das Schiff hat ein ziemlich flaches Holzgewölbe; Rippenartige Bänder teilen es in 6 Teile, welche gleichsam auf frühgotischen Konsolen ruhen. Der Orgelchor ist zu einer längs der ganzen Schiffwand hinlaufenden Empore erweitert. Eine Stiege von 15 Stufen führt hinauf: die 2 obersten zeigen an der Stoß- und Triffläche eine Schachbrettmusterung. Der fünfteilg geschlossene Chor hat zierliche Sterngewölbe. An der Nordwand ist ein hübsches Sakramenthäuschen von viereckiger Form mit Maßwerksblenden und Zinnenbekrönung. Das Kirchlein hat 2 barocke Altäre. Diese sind aus Holz, und den einen ziert das Bild des heiligen Laurentius. Der Seitenaltar hat alte Darstellungen auf Holz, den hl. Florian, Leopold, Nikolaus und noch einen anderen Bischof; sie gehören jedenfalls zu einem Flügelaltare. Ein Armenseelenbild (ein altdeutsches Messestiftungsbild, wo die Stiferter und deren Familien beim hl. Seelenamte beten) ist wertvoll. Ein großes Kreuzbild und Maria, die Rosenkranzkönigin, stammen aus der Pfarrkirche von Neulengbach. Die gemauerte Kanzel gehört der Spätgotik an und hat eine barocke Verschalung. Auch eine hübsche Statuette der Imakulata ist zu sehen. Die 2 Glocken stammen vom Jahre 1887. Eigenartig wirkt das verschiedenartige Dachwerk des Kirchleins. Das Schiff hat ein Kegel-, der Chor ein Walm- und der Turm ein Zeltdach. Das Chor- und das Turmdach sind niedriger als das Schiffdach.

In den früheren Jahrhunderten war das Kirchlein eine Pfarrkirche, jetzt ist es eine Filiale von Neulengbach. Nur am Feste des Schutzpatrones und bei Beerdigungen wird hier ein Gottesdienst gehalten. (Sowie in den Sommermonaten eine Dorfmesse und die Maiandachten. Mittlerweile ist unser Kirchlein eine beliebte Hochzeitskirche geworden.)Der Bau soll aus dem 13. Jahrhundert stammen und eine liebliche Sage erzählt über seine Entstehung folgendes:

Das Kirchlein sollte zu Ehren des hl. Laurentius erbaut werden. Als Baugrund wurde ein Platz in dem Dorfe Markersdorf bestimmt und die Bauern mussten der damaligen Zeit gemäß Robot leisten. Nämlich Steine, Sand und Holz zuführen. Sie luden das Material an dem hiezu gewählten Platze ab. Wie groß war aber ihr Erstaunen, als sie des anderen Morgens Holz und Steine verschwunden fanden. Nach längerem Suchen fanden sie alles über der Höhe des Dorfes auf einer Stelle beisammen. In der Meinung es habe sich jemand einen Spaß erlaubt und das Material verschleppt, führen sie dasselbe wieder auf den ursprünglichen Platz zurück. Am zweiten Morgen derselbe Hergang. Nun wurde beschlossen während der Nacht eine Wache bei dem Material zurückzulassen. Man wählte hiezu einen handfesten Zimmermann, der einen Baum in unmittelbarster Nähe benützte um von diesem erhöhten Standpunkte aus den Platz zu überwachen. Doch wer beschreibt das Erstaunen der Einwohner Markersdorf, als am Morgen darauf nicht nur das Baumaterial, sondern auch der Baum samt dem Zimmermann von der bestimmten Stelle im Dorfe verschwunden waren. Man fand das Material und den Zimmermann, wo heute die Kirche steht. Gleichzeitig erzählte der Zimmermann, dass ihm heute nachts St. Laurentius erschienen sei und ihm gesagt habe, er wolle nicht eingeengt von Gebäuden der Menschen, sondern fern von dem Getriebe der Welt, in Gottes freier Natur wohnen. Alsdann hätten die Engel den Platz für das Gotteshaus ausgesteckt. Auf das hin eilten von fern und nah die Bewohner herzu um bei dem Baue zu helfen und in unglaublich kurzer Zeit stand das Kirchlein fertig da, denn bei Tage arbeiteten die Bewohner, während der Nacht aber die himmlischen Geister. Noch jetzt heißt der Platz in der Nähe des Kirchleins “Engelstall und Engelwiese”.

 

So ist das Laurenzikirchlein entstanden, und wo immer eine Kirche zu Ehren dieses Heiligen erbaut wird, ist man den Weisungen desselben eingedenk und stellt sie abseits von den Wohnungen der Menschen. Die Pfarre soll im Jahre 1339 errichtet worden sein und verblieb bis 1528. Im darauffolgenden Jahre 1529 wurde die Kirche durch die hier und in der ganzen Umgebung hausenden türkischen Streifhorden eingeäschert. Erst das Jahr 1493 hatte uns nähere Daten gebracht.

DIESE folgen bei der nächsten Aktualisierung.